echo_von_nichts

Sopran – Ingala Fortagne / Quarzklangschalen – Pina Rücker

„Every something is an echo of nothing“ (j.c.)

Termine 2022

15. 7. 20:00 Cubus bei den Minoriten Graz EMPTY MIND (s.u. Konzertbeschreibung)

15.10. Heidenheim Verein für neue Musik EMPTY MIND

31.10. Strenge Kammer Porgy and Bess Wien EMPTY MIND

6.11. OPT Leipzig EMPTY MIND

CD OBHUT bei Incipit Novum, München erscheint Januar 2023

Ingala Fortagne und Pina Rücker begannen bereits 2007 musikalisch gemeinsam zu experimentieren und zu improvisieren. Erste Auftritte mit Improvisations – Kolleg*innen fanden in Wien, Berlin und Leipzig statt. Die Idee eines eigenständigen Duo Projektes entstand 2016 mit dem Fokus auf konzipierte Ensemble-Improvisation, teildeterminierte Komposition, überlieferte (nicht-komponierte) Musik, klassische Moderne und Uraufführungen. 2017 folgte das erste Konzertprojekt „Raum-Klang-Wandler“ mit dem Pianisten Markus Zugehör als Gast. Ein wesentlicher Impuls für die gemeinsamen künstlerischen Konzepte ist für die beiden Musikerinnen u.a. die persönlichen Erfahrungen als Mütter von insgesamt 5 Töchtern. So transformierten sie beispielsweise in ihrem Programm “Heilige unaussprechliche Nacht” ihre Praxis des stundenlangen Wiegenlieder-Singens. Komponisten der klassischen Moderne wie M. Feldmann, J. Cage oder A. Pärt, bei denen Stille proklamierte Ausgangsposition und musikalischer Gegenstand ist, stellen den Bezugsrahmen für diese kontrastierend – ergänzende Gegenüberstellung u.a. auch mit Sprechtexten, jüdischen Liedern oder mittelalterlichen Gesängen her.

Konzertprogramme

EMPTY MIND You can listen to it and perhaps discover something that can’t be named. (j.c.)„

mit den Gästen

Saxophon:  Hayden Chisholm

Komponistin/ Electronics: Tamara Friebel

Jeder Klang, jedes Etwas ist ein Echo von Nichts schreibt John Cage in “SILENCE”. Konzipierte Stille eint die Werke, mit denen sich “echo_von_nichts” beschäftigt. Das Duo von Sängerin Ingala Fortagne und Klangkünstlerin Pina Rücker (Quarzmusik) lädt sich zum zweiten Mal einen Gast ein, 2022 wird es der Saxophonist Hayden Chisholm sein, mit dem Pina Rücker eine langjährige musikalische Zusammenarbeit verbindet. Sie waren u.a. eingeladen zum mrd – musiksommer 2016 / “achtmal alte brüderkirche” Kassel 2018 / Jazztage Leipzig 2021. Ausserdem ist eine Zusammenarbeit mit der Grazer Komponistin Tamara Friebel peplant. Graz ist als Zentrum für Klangkunst bekannt. Die Komponistin hat bereits 2010 mit “A fragmented hyazinth stain” (UA 2010 Jeremias Schwarzer) für Pina Rückers einmaliges Instrument komponiert.

u.a. Werke von:

·      John Cage (Songbook, Variations II, 4:33 (1+2), Wonderful widdow, Expiriences No.2, Alphabet) 

·      Morton Feldmann (Three voices, Only)

·      Christian Wolff (Edges, Exercises)

·      Tamara Friebel (A fragmented hyazinth stain, UA neue Komposition 2022)

·      John Corigliano (Shatter me music)

·      Hayden Chisholm (Primetime et al.)

·      Pina Rücker (flugwesen, art forms the ocean)

·     Live-Kompositionen des Ensembles

·      Giacinto Scelsi (Three latin prayers, Tre pezzi per sassofono)

Unterstützt von der AKM, Land Steiermark und der Stadt Graz


CD Arbeitstitel: OBHUT

mit Gästen:

Klavier: Nadia Belneeva (Basel)

Kontrabass: Carsten Hundt (Leipzig)

Sprecher: Hayden Chisholm (NZ/Serbien)

Grafik, Booklet Gestaltung: Johanna Lakner 

Label: Incipit Novum (Berta Rieder und Xander Zimmermann) München

Konzept zum CD Projekt Die Idee kam durch das Konzertprojekt „Marien – und Wiegenlieder im Advent“, in dem jüdische Wiegenlieder mit christlichen Mariengesängen vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit verbunden werden. Im Fokus steht Maria oder Mirjam, die als jüdische Mutter des christlichen Propheten jiddische oder hebräische Wiegenlieder für ihr Kind singt. Diese sind eingebettet in „Three latin prayers for soprano“ von Giacinto Scelsi.

Die Mutter-Kind Beziehung dient im CD-Projekt als Metapher für das grundlegende Bedürfnis eines Menschens, sich in einem Schutzraum entfalten und wachsen zu dürfen. Das Singen von Wiegenliedern durch die  Mutter ist für das Kind die Brücke vom Wach- in den Traumzustand, die erlaubt, loszulassen und sich der Nacht, dem Unbewussten und nicht Kontrollierbaren hinzugeben. Der erwachsene Mensch ist selbst für diesen Schutzraum verantwortlich. Vielleicht findet er ihn durch Stille, Meditation, Gebet oder eben durch die Klänge des vertrauten Wiegenliedes. 

Der Schutzraum, den ein Mensch sich und einem anderen geben kann, ist gerade in seiner Unbedingtheit einem Kinde gegenüber auch mit unvermeidlichen Scheitern, Überforderung und Erschöpfung des Gebenden verbunden.

Maria sorgt sich in dem Gesang von Tarquino Merula um ihr Kind, sieht seinen Leidensweg, steht diesem hilflos gegenüber: Die wissende, warnende Mutter, im Schutz geben wollen, erkennt ihr Versagen. Diese Mutter, die ihr Kind verliert, ist ein Beispiel für viele Frauen in Kriegs- oder Krisensituation, wo der Schutzraum für alle Menschen bedroht ist. 
In den Wiegenlieder von Hanns Eisler, ist es die Mutter, die das Kind auf die sie quälende Welt vorbereiten will und mit (und für) ihr(em) Kind die Hoffnung auf eine friedlichere, gerechtere Welt nicht aufgibt. 
Das Leben und darin insbesondere menschliche Beziehungen sollten immer das Potential zu intaktem Schutzraum haben, in den wir uns hinein entspannen können, um Kraft zu schöpfen für Situationen der Sorge, individuelle Angst oder gesellschaftliche Not.


unsere Intention Wir wollen den Schutzraum in all seinen Facetten, die Qualität einer Mutter-Kind Beziehung als Leistung für die Gesellschaft (feiern) würdigen, seine Bedeutung und Anerkennung verteidigen. Wir möchten der emotionalen Care-Arbeit eine Stimme geben, sie wertschätzen.

Probenvideo http://Rozhinkes mit Mandlen Videomitschnitt

erscheint vorraussichtlich Januar 2023


Klangraumwandler als Gast: Pianist – Markus Zugehör

Konzertausschnitt Klangraumwandler

M. Feldman – J. Cage – Chr. Wolff – A. Pärt

Wir haben uns für diese Stücke entschieden, weil es uns möglich scheint, den Klangraum, den die Komponisten darin bereits geschaffen haben, durch die Quarzglasschalen im Sinne der Komposition zu erweitern. Die Schalen wirken wie ein zusätzliches Raumklang-Register, sie verwenden das vorhandene Tonmaterial und vertiefen die Klangwirkung der Komposition – sie wird im neuen Klanggewand transzendiert. Die Instrumente/ Stimme profitieren vom gemeinsamen Wirken und die sphärischen Quarzklänge bekommen eine stabile Klangstruktur zur Seite. Stimme und Klavier können sich im Klang selbst neu erleben und erweitern sich in das Klangfeld der Quarzschalen. Die Mischung entsteht im fragilen Bereich der Obertöne, die in jedem Raum anders erfahren werden. Unsere Auswahl soll sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen, das die Klangflächen von Cage und Pärt der Reduziertheit von Feldman zur Seite stellt. Christian Wolffs grafische Komposition lässt uns in innere Welten gehen, in die totale Interaktion mit dem Instrument und dem Ensemble.


Marien- und Wiegenlieder

„Marien- Wiegenlieder“ Quarzklang (jiddische Lieder u. Mariengesänge aus 800 Jahren)

In ihrem der Mutter Maria gewidmeten Programm verbinden Fortagne Rücker jüdische Wiegenlieder mit geistlichen Gesängen zur Weihnachtszeit , um im Advent die nahe Ankunft des Jesuskindes zum Klingen zu bringen. Es erklingen traditionelle jüdische Wiegenlieder, jüdische geistliche Lieder und christliche Mariengesänge vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit, eingebettet in „Three latin prayers for soprano“ von Giacinto Scelsi.


Heilige, unaussprechliche Nacht! Lieder, Hymnen und Gesänge

https://youtu.be/FocU73mh0x4

Lieder aus christlicher und jüdischer Tradition von Komponistinnen wie H. v. Bingen, J. Cage, G. Scelsi, T. Merula,  A. Goldfaden, Nira Chen aber auch volkstümliche Weisen ergänzt und vertieft durch Auszüge der „Hymnen an die Nacht“ von Novalis. Die Mutter bietet dem Kind im Einschlafen einen Schutzraum zwischen den Welten. Jedes Einschlafen birgt den Tod in sich, das Loslassen des Gegenübers, die Gefahr nicht wieder aufzuwachen. Das Wiegenlied ist eine Brücke von der Ist-Welt zur geistigen Traumwelt mit ihrer anderen Realität und Ausdruck tiefster Liebe zugleich. Maria als kulturell überliefertes Bild der christlichen Urmutter, als Frau repräsentiert in ihrer ikonischen Mutter-Kind-Beziehung den unbewussten Raum der Nacht. Die Nacht ist zudem auch Sehnsuchtsort der Liebenden. Der besondere Klang der Quarzklangschalen eröffnet dem Zuhörer einen Raum für diesen unbewussten Zustand. Die Sprache, der Text der Lieder hilft dem wachen Menschen, sich auf diesen unbewussten Raum einzulassen, der ihm eine Begegnung mit sich selbst auf einer anderen Ebene ermöglicht. Novalis‘ „Hymnen an die Nacht“ greifen sprachlich Elemente z. B. die Nacht als Mutter und das Motiv der Liebenden, die über den Tod hinaus verbunden sind, auf.

Gäste



CV

Pina Bettina Rücker erforscht als Klangkünstlerin seit über 10 Jahren die musikalischen Einsatzmöglichkeiten ihrer Quarz-Schalen im konzertanten Raum. Sie hat aus dem faszinierenden Kontext von industrieller Hochtechnologie und analogem Sinuston  ein neues Musikinstrument entwickelt und maßgeblich zu Akzeptanz und Einsatz in der musikalischen Welt verholfen.  Die Quarzklangschalen sind durch ihren industriellen Kontext „Schmelztiegel für die digitale Zukunft“ und bieten sich daher als musikalischer Schmelztiegel für die uns bekannten Formen von Zeit an: historische Zeit, Zukunftszeit und Raumzeit, die in der Gegenwartszeit des Hörens verschmolzen werden. Kein analoges Instrument besitzt die Fähigkeit, den Raum so körperlich und mächtig mit Glocken-ähnlichen Klangflächen zu erfüllen. In der Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten Hayden Chisholm entstanden Stücke, die sich mit Aspekten von Mathematik, Klang oder Geschichte befassen. Ihre Auftritte finden in Kirchen, Konzerträumen, Galerien, Clubs statt, sie spielte auf Festivals für Klassik (mdr-musiksommer, moviementos) oder experimentelle Musik (sinwald, sinusTon, ZixP, StelzenFestspiele bei Reuth), bei den Jazztagen Leipzig, Weltmusik (Lauschrausch, Ancient Trance) Techno (KONG, Garbicz) und auch dem ChaosComputerClub – Congress. In Zusammenarbeit mit Künstlern wie Gesine Adler (Sopran), Hayden Chisholm (Saxophon), Kinan Azmeh (Klarinette), Gert Anklam (Sheng) entstanden  sechs CD-Produktionen. Mitwirkung res. o. nant. jüdisches Museum Berlin. Mit Alex Grobkorn, Lucian Patermann oder trashpuzzle sind audiovisuelle Performances entstanden. Bisher wurden drei Kompositionen für sie aufgeführt:  Tamara Friebel „a fragmented hyazinth stain“ UA 2010; 2018 mit Hayden Chisholm; Urszula Myscinska „sunken cities“ (8-Kanal-Installation Wien 2009), Thomas Christoph Heyde „es kippt“ Videoinstallation GfZK 2013).  https://kosmosklang.de/pages/about.php

Die Sopranistin Ingala Fortagne suchte von Anfang an ihres klassischen Gesangsstudiums an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig und an der Hochschule für Musik und Theater „Franz Liszt“ in Weimar, die Grenzen der „klassischen“ Sängerin zu sprengen. Egal welche Stilrichtung, welches Repertoire sie interpretiert, geht es ihr um den Ausdruck, um die Aussage. Ihre Projekte, die auch das herkömmliche Repertoire der Oper-, Oratorien- und Kammermusik mit einbeziehen, sind oft schwer einzuordnen. Sie arbeitet gern Sparten übergreifend, um dem Musiktheater als Gesamtkunstwerk näher zu kommen. Sie sang dabei am ehemaligen Hebbeltheater in Berlin, dem Schauspielhaus Leipzig, Landestheater Eisenach, Opernfestspielen in Heidenheim sowie am Theater an der Wien, an der Volksbühne und im Dschungel in Wien. Neue Musik und Uraufführungen brachten sie zum ECLAT Festival (Musik der Jahrhunderte) in Stuttgart, in die Tonhalle MAAG in Zürich. Sie arbeitet mit verschiedenen Kammermusikensembles, u.a. mit der „Camerata Variabile“ in Basel. In den letzten Monaten entwickelte sie u.a. in einem Künstlerkollektiv ein Onlinejournal mit vertonten Haikus über die Pandemie. 

Gäste:

Hayden Chisholm:  Was für ein Sound! Keiner klingt wie Hayden Chisholm! Wer kann weicher spielen als dieser in Neuseeland geborene und hauptsächlich in Deutschland lebende Saxofonist? Und wer kann zugleich spannungsreicher spielen? Hayden Chisholms Altsaxophon singt Töne, die sich leise und biegsam in die ungewöhnlichsten Linien hineinschlängeln. Raffiniert jongliert er dabei mit allerkleinsten Tonabständen – was eine knisternde Spannung schafft und dann doch wieder wohlige Schauer über die Haut jagt, weil die Töne so zart und vollendet sind. Für diese ganz eigene Klangästhetik erhielt Chisholm 2013 den SWR-Jazzpreis. Und Anfang 2015 wurde er zum »Improviser in Residence« des renommierten Moerser Jazzfestivals gekürt. Chisholm gehört zu den bemerkenswertesten jüngeren Spitzenjazzmusikern der aktuellen internationalen Szene. Griechenland, Indien, Japan waren Stationen, bevor er Köln und Belgrad zu seinen Wahlheimaten machte. Er hat Musik zu Installationen der Künstlerin Rebecca Horn komponiert, 2011 mit Nils Wograms Band Root 70 den BMW Jazz Award gewonnen, zweimal eine 13-CD-Box in unterschiedlichsten Besetzungen jeweils mit Weltklasse-Partnern veröffentlicht und war mehrfach Gast der Jazztage Leipzig. http://www.haydenchisholm.net/hayden-chisholm—media.html#hayden_chisholm_media

Tamara Friebel , geboren in Cohuna Australien, ist Künstlerin, Komponistin und Performerin. Seit 2002 in Österreich, studierte Friebel noch in Australien Soziologie und Theologie an der Universität Melbourne und Architektur am RMIT Melbourne, ehe Sie in die Architektur Meisterklasse Zaha Hadid an der Universität für Angewandte Kunst Wien aufgenommen wurde und diese 2008 abschloss. Parallel studiert Friebel Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst bei Chaya Czernowin, Karlheinz Essl (elektroakustische Komposition) und Detlev Müller-Siemens.  Nach einem Aufenthalt am Royal College of Music in London wurde Friebel eine gebührenbefreite Doktoratsstelle unter Liza Lim und Monty Adkins an der Huddersfield University zugesprochen, an der Sie ihre PhD in Komposition mit einem Portfolio an Werken Generative Transcriptions, an Opera of the Self im Juni 2013 abschloss. Seit 2014 Post-Doktorat an der Karl-Franzens Universität Graz im Rahmen eines Arts-Math Projekts, The Collaborative Mind.http://tamarafriebel.com/projects/compositions/catalogue/

Markus Zugehoer studierte an der Hochschule für Musik und Theater, Leipzig sowie am CNSM de Paris Waldhorn, Klavier und Liedgestaltung. Er war
Lehrbeauftragter an der Leipziger Musikhochschule sowie an der Universität Halle und nahm 2005 einen Lehrauftrag für Liedrepertoire an der Universität der Künste Berlin an. Am Gewandhaus zu Leipzig war er als Pianist des „GewandhausKammerchor Leipzig“ unter der Leitung von Morten Schuldt-Jensen engagiert und wurde wiederholt als musikalischer Assistent u.a. für Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Kurt Masur und Philippe Herreweghe eingeladen. Seine Konzerttätigkeit führte ihn u.a. durch Deutschland, Frankreich, Spanien, die Schweiz, Nordamerika und Indien (im Auftrag des Goethe Institutes). Weiterhin wurden Rundfunk- und CD- Aufnahmen mit Markus Zugehör produziert (BR, mdr, MDG, TALANTON records). Weiterhin arbeitet er für Umculo/Capefestival als Coach, seit 2016 Zusammenarbeit mit dem Opernstudio der Staatsoper Berlin.
https://markus-zugehoer.com/vita