Musiktheater mit Nadia Belneeva und Ingala Fortagne

©Joachim Gern
2021, im Jahr der Pandemie, kurz vor dem zweiten Lockdown trafen sich die Pianistin Nadia Belneeva und die Sängerin Ingala Fortagne. In den nächsten zwölf Monaten sollten 6 Projekte entstehen. Schnell merkten wir, dass wir mit unseren verrückten Ideen zusammenpassen, dass z.B. Nadia genauso auf der Bühne performen möchte wie Ingala und Ingala sich auch an das Klavier setzen wird:..

…Im Theater, auf der Konzertbühne leben wir vom Augenblick, von unserer physischen Präsenz, von der Poesie des Unvollkommenen, dem nicht Wiederholbaren, immer wieder neu zu Interpretierenden! Künstlerische Arbeit ohne Bühne, ohne das live Erlebnis verführt zur Perfektion, zum Retuschieren. Genau dem wollen wir durch unsere kleinen experimentellen Formate, in denen wir interpretieren und improvisieren, vorbeugen. Wenn wir online arbeiten, wird die Improvisation zu dem nicht wiederholbaren künstlerischen Augenblick  im Netz. In der Improvisation haben wir keine andere Wahl, als uns voll auf den Augenblick einzulassen, uns gegenseitig zu vertrauen. Es ist ein Tanz auf dem Drahtseil ohne Absicherung.

Wir sind als Künstlerinnen die Seismographen der Gesellschaft. Wir zeigen die Konflikte aller Lebensbereiche und Ebenen menschlichen Lebens. Die griechische Tragödie zeigt wie man lebt, die Commedia wie man überlebt. (nach M. Kupferblum) Dabei ist uns die humorvolle  Auseinandersetzung mit unserem Leben in der Gesellschaft bis in die persönlichsten Lebensbereiche ein Anliegen.  Wir Künstlerinnen, wir gestalten, wir behaupten und leben dadurch die Freiheit, die wir uns wünschen.

in den Lockdownmonaten Experimente ONLINE:

Aus fast 600 dreizeiligen Kurzgedichten, die laufend während der Corona-Pandemie entstanden sind, werden einzelne  Aphorismen-Haikus herausgepickt und musikalisch und visuell sehr frei bearbeitet. Spielerisch und humorvoll stellen wir mit unserem Projekt dahergeflogene Gedanken und einige offene Fragen in den Raum:

Wie schaffen wir es, ohne äusseren Verlockungen unser Leben zu führen?

Was passiert, wenn wir so lange zu Hause eingeschlossen bleiben und unseren Körpern die Bewegung fehlt?

Genügt uns das „Reisen im Kopf“?

Gibt es für die Menschen einen Ersatz für die Kunst im Leben?


weiteres ONLINE Experiment

 

Aufnahme und Verfilmung des Liedes „Schlaflied“ von W. R. Heymann (1896-1961) mit dem Text von R.M. Rilke in Wien/Attersee mit Markus Kupferblum / Veröffentlichung in Arbeit


Liedprojekte aufgeführt in Basel/Locarno/Arlesheim/Dornach (CH)

„Liebe, Lust und Leid zur Sommerszeit“  Lieder von H.Purcell, G.Crumb, F.Poulenc und W.R.Heymann werden eingebunden in Texten von B.Brecht, R.M. Rilke u. E.de Vere, Earl of Oxford.

„Marien- Wiegenlieder“  In dieser Stunde erforschen die Pianistin Nadia Belneeva und die Sängerin Ingala Fortagne Lieder, die der heiligen Mutter Maria gewidmet sind. Sie fanden ihren Ursprung bei der Komponistin H.v.Bingen und spannen den Bogen mit Kompositionen von T.Merula, H.Wolf, M.Reger, G.Scelsi u.a. über 800 Jahre bis in die Jetztzeit zu einer Komposition von C.M. Rembeck.  Dazu erklingen jüdische Wiegenlieder, die die Mutter Maria ihrem Kinde singt.


Kindermusiktheater „Der Mann im Mond und das Weihnachtswunder“

Gesang: Ingala Fortagne / Schauspiel: Isabelle Fortagne Dimitrova / Klavier: Nadia Belneeva

Was ist das für eine Nacht? Schon seit Tagen beobachtet der Mann im Mond einen Stern, der jeden Tag heller wird. Er weiß nicht, ob er seine Mondkerzen überhaupt noch anfachen soll, da dieser Stern alles überstrahlt! Drei Könige scheinen schon seit Wochen unterwegs zu sein. Aber wohin wollen sie? Dem Mann im Mond und seinen Gefährten: die Mondkäfer Sumsi und Brumsi wird das langsam zu bunt. Auf der Erde singt und klingt es. Da gibt es den Sandmann, einen Engel, den besorgten Josef, Maria, die ihr Kindlein wiegt. Der Mondmann, Sumsi und Brumsi erleben die aufregendste Nacht ihres langen Mondenlebens. Wir laden Kinder von 4-12 Jahren auf eine musikalische Reise, das Weihnachtswunder zu erleben, ein. Der sprechende Mondmann und seine Mondkäfer beobachten die klingende Weihnachtsgeschichte mit Liedern von P. Cornelius, E. Humperdinck, M. Reger u.a.. Die beiden Schwestern Ingala und Isabelle Fortagne standen schon in ihrer Kindheit im Opernkinderchor in Leipzig zusammen auf der Bühne. Es folgte eine gemeinsame Arbeit in dem Musical Anatevka. Die Idee zu einem Kinderprogramm verwirklichten sie das erste Mal vor 13 Jahren und freuen sich nun, Ihnen eine weihnachtliche Geschichte um den Mann im Mond zeigen zu dürfen.


Musiktheater: Leben _Lieben_ Sterben können

Gesang: Ingala Fortagne / Schauspiel: Isabelle Fortagne Dimitrova / Klavier: Nadia Belneeva

Tod und Katze philosophieren über das Leben, das Lieben und das Sterben der Menschen, begleitet von Liedern von Franz Schubert (1797-1828), die die Grundemotionen der Menschen wie Mut, Sehnsucht, Verlangen oder Einsamkeit musikalisch in den Raum bringen. (Premiere war am 1. 11. 2021 in Binningen, reformierte Kirche, weitere Aufführungen sind für 2022 in Basel, Leipzig, Dornach geplant.)


WEILL im Hotel – Arbeitstitel

Text und Regie: Rainer Vierlinger

Die Sängerin Louise möchte im Hotel „XYZ“ für den 21. März 1933 einchecken. Das Unverständnis, das ihr entgegentritt, weiss sie geschickt zu entkräften. Sie wartet auf den Komponisten Kurt Weill, der ihr versprochen hat, ihr ein neues Lied mitzubringen, dass er für sie komponieren wollte. Sie haben gerade eine gemeinsame erfolgreiche Produktion des „Silbersees“ (UA am 30. 1. 1933) hinter sich. Leider sind gerade durch die gewonnene Wahl der Nationalsozialisten alle weiteren Aufführungen an der Oper in Leipzig und Magdeburg am 4. März verboten worden. Auch darum muss Louise Kurti (Weill) unbedingt sprechen. Stattdessen findet sie nur eine komisch gekleidete Pianistin Gerda Finke an, die im Hotel ein paar alte Schlager geglangweilt vor sich hinklimpert und heimlich nebenbei Gedichte schreibt. Heute ist ihr letzter Arbeitstag im Hotel „XYZ“, da sie im Jahre 2022 gestrichen werden soll, kein Geld mehr für antiquierte Livemusik da ist. Wenigstens scheint Gerda Finke brauchbar, um mit Louise ein paar ältere Weill Kompositionen durchzugehen….

Das Duo Ingala Fortagne und Nadia Belneeva planen gemeinsam mit dem österreichischen Regisseur und Autor Rainer Vierlinger eine Reise in die 30iger Jahre nach Berlin und in die 20iger Jahre nach Paris. Dazu wird Musik von E. Satie, K. Weill und F. Poulenc zum Leben erweckt und endlich einmal alles direkt geklärt, was die beiden Interpretinnen schon immer von diesen Komponisten wissen wollten. Das Hotel scheint die richtige Kulisse. Angelehnt an die Tradition dieser Zeit, in welcher Hotels ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt waren oder gar als Wohnort im Exil herhalten mussten, wollen die Künstlerinnen an das damalige lebendige Kulturleben anknüpfen. Sie wollen Lust auf live erlebte Musik machen und gleichzeitig mit der Reise die Fragilität der Demokratie zeigen und für deren Schutz, Interesse auch in der heutigen Zeit werben.

© Joachim Gern

CV

Die in Sofia geborene Pianistin Nadia Belneeva studierte zunächst an der Nationalen Musikakademie in ihrer Heimatstadt. 1993 erhielt sie ein Stipendium der Oscar und Vera Ritter Stiftung, welches ihr das Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Prof. R. Nattkemper ermöglichte. Weitere Ausbildungen hatte Nadia Belneeva am Königlichen Konservatorium in Brüssel sowie an der Schola Cantorum in Basel (Historische Tasteninstrumente) absolviert. Internationale Meisterkurse, u.a. bei Leon Fleisher, Georgy Sebök und Pavel Gililov, ergänzten ihre künstlerische Laufbahn. Von 2003 bis 2007 hatte sie einen Gastvertrag als Korrepetitorin an der Staatsoper Hamburg. Als Kammermusikpartnerin in verschiedenen Formationen sowie als Liedbegleiterin ist Nadia Belneeva auf internationalen Konzertbühnen und Festivals zu hören (u.a. Lucerne Festival, Schleswig-Holstein Musik Festival, Tokyo Musik Festival). Sie wirkt regelmäßig als Klavierassistentin bei diversen Meisterkursen mit (u.a. von Janos Starker, Sebastian Hamann, Christoph Richter). Regelmässige Konzerttätigkeit mit diverse Ensembles/Orchester- u.a, Camerata Variabile, Kammerorchester Basel, und Solisten-u.a., Hristo Kouzmanov im „Duo Piancello“,Cornelia Haslbauer, Kressimir Strazanac, Mate Szücs. Zur Zeit lebt sie in Basel, wo sie als Korrepetitorin am Theater Basel tätig ist. Nadia Belneeva – Pianistin

Künstler*innen, mit denen das Duo zusammenarbeitet:

Rainer Vierlinger aus Oberösterreich, studiert Biologie Lehramt und arbeitet in Naturschutz- und Ökologieprojekten, ehe sich ab 2000 die Leidenschaften Theater und Musik zum Beruf entwickeln. Am Beginn stehen fünf Jahre als Assistent von Hans Gratzer im Schauspielhaus Wien, in der Volksoper Wien, bei den Salzburger Festspielen und am Theater in der Josefstadt. Es folgen Assistenzen u.a. bei Achim Freyer, Sven Eric Bechtolf, Philipp & Nikolaus Harnoncourt, Martin Kušej, Stefan Ruzowitzky, Robert Carsen, Karl Markovics, Keith Warner, Peter Konwitschny und Torsten Fischer an der Wiener Staatsoper, der Oper Zürich, der Styriarte, den Bregenzer Festspielen, beim Film Atmen und seit 2007 vielfach im Theater an der Wien. Dort inszeniert er 2012 die Uraufführung der Kammeroper Premiere (Tristan Schulze), zu der er auch das Libretto verfasst. Weiterhin als Assistent, Leiter von Wiederaufnahmen und Opernchorist tätig, entstehen seit 2015 vermehrt eigene Regiearbeiten: Die Kinderoper Hilfe, Hilfe, die Globolinks! (G.C. Menotti) mit den Wiener Sängerknaben im MuTh Wien; der szenische Songzyklus Tell me on a Sunday (A. Lloyd Webber) an der Oper Graz; Der Kaiser von Atlantis (V. Ullmann) im Theater an der Wien/Kammeroper; eine szenische Fassung der Carmina burana (C. Orff) im Theater an der Rott/Bayern; zwei Inszenierungen der Tango-Oper Maria de Buenos Aires (A. Piazzolla): eine „Open Air-Version“ 2018 an der Oper Graz/Kasematten und 2019 eine „Indoor-Fassung“ im Theater Lübeck. 2020 kann dort trotz Covid-Pandemie der Doppelabend La Voix Humaine (F.Poulenc) / The Telephone (G.C.Menotti) realisiert werden; 2020 und 2021 entsteht im Theater an der Rott unter gleichfalls eingeschränkten Bedingungen Eine Winterreise, die szenische Umsetzung von Schuberts Liederzyklus.

Jan T. Räber, Kameramann, Fotograf, Multimediadesigner, seit 2013 Geschäftsinhaber / Creative Director von artx-media.  Als Kunstbegeisterter begann er 2002 mit dem Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Basel, bevor er dort 2003-2006 die Fachklasse für Gestaltung mit dem Schwerpunkt Neue Medien absolvierte und als dipl. Gestalter reüssierte. Es folgte eine Anstellung als Kameramann/Mitarbeiter Post-Produktion in einem Multimediabüro mit starker internationaler Ausprägung. Für Katka Räber-Schneider  illustrierte er 2019 das „365 Haikus“-Buch, das im IL-Verlag erschienen ist. Bereits 2005 erschienen in Frankfurt das Buch „Von der wurmstichigen Glühbirne und andere Wortspielmärchen“ mit Jan Räbers Zeichnungen. Sein besonderes Flair für das harmonische Zusammenspiel von Bild, Grafik und Audio machen ihn zu einem begeisterten Kunstschaffenden.

Katka Räber Schneider in der Tschechoslowakei geboren, 1962-66 mit den Eltern in der DDR. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei 1968 Emigration in die Schweiz. Studium von Slavistik, Germanistik und Literaturkritik in Zürich (Lic.phil.I / MgA.) Psychologische Ausbildung in ZH & BS: Paarberatungspraxis in Basel. Lebte mit ihrem Mann auch in der BRD, Tunesien, später als Familie auch mit den beiden Söhnen ein Jahr in Kanada, heute in Basel als Autorin, Journalistin, Psychologin, Fotografin und Trauerrednerin. Verschiedene Publikationen von Prosa und Poesie in Deutschland, Schweiz und Tschechien. Zuletzt „365 Haikus“, IL-Verlag, Basel. Mehrere Fotoausstellungen. Verbindet bürgerliches Leben und Kunst zu Lebenskunst.

Isabelle Fortagne-Dimitrova, geboren in Leipzig ist Schauspielerin, Sprecherin, Regisseurin und Trainerin. Sie studierte Schauspiel in Bonn und Köln. Seit 20 Jahren ist sie als freischaffende Schauspielerin, Figurenspielerin und Sprecherin an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum tätig.  Sie arbeitet u.a. für: Theater Anis, art&business Stollsteiner, Kaltenbach Stiftung und an der Goetheanumbühne in Dornach. Als Regisseurin inszeniert sie Klassenspiele und eigene Programme. Mit ihrer Schwestern Ingala stand sie schon in ihrer Kindheit im Opernkinderchor in Leipzig zusammen auf der Bühne. Es folgte eine gemeinsame Arbeit in dem Musical Anatevka. Seit ein paar Jahren entwickeln sie zusammen musikalische Kinderprogramme um den Mann im Mond, der mit seinen beiden Mondkäfern die Erde beobachtet. „Der Mann im Mond und das Weihnachtswunder“, für Kinder zwischen 4-12 Jahren wird am 5. 12. 2021 wieder am Goetheanum in Dornach zu sehen sein. Theater Anis